10 Tipps für eine erfolgreiche Hundererziehung

Hundeerziehung als Herausforderung
Ein gut erzogener Hund macht nicht nur den Besitzer stolz, sondern ermöglicht auch einen entspannten Alltag. Den erzogenen Hund kann man beinahe überall hin mitnehmen, er stellt keine Gefahr für andere Menschen, Kinder oder andere Hunde dar. Er orientiert sich stets an seinem Halter und hat eine gelassene Einstellung zu allem, was ihm im Alltag begegnet. Klingt zu gut um wahr zu sein? Vielen Hundehaltern fehlt schlicht die Zeit und Energie, um Hundeschulen oder Kurse zu besuchen. Sie sind der Meinung, nur dort würden sie lernen, wie sie ihren Hund entsprechend erziehen können. Tatsächlich liegt das Gelingen der Erziehung aber oft an einigen wenigen Voraussetzungen. 

Wenn die Grundeinstellung und Ausstrahlung nicht stimmt, wird die Erziehung immer scheitern, egal wie viele Tricks man anwendet. Auch wenn Hunde seit vielen Jahrhunderten domestiziert sind, stammen sie dennoch vom Wolf, also einem Rudeltier, ab. Für unsere Hunde ist die Familie das Rudel und dort müssen Regeln und Ränge herrschen. Haben sowohl Menschen als auch der Hund dies verstanden und umgesetzt, fügt sich der Hund problemlos in seine Rolle als rangniedrigstes Mitglied. Dafür ist keinerlei Gewalt oder Unterwerfung nötig, es ist ein völlig natürlicher und friedlicher Ablauf. Die folgenden 10 Tipps bilden eine Basis für jede erfolgreiche Hundeerziehung.

1. Das Wichtigste: Wer ist der Rudelführer?

Es macht den Hund nicht unglücklich, rangniedrig zu sein, denn er fühlt sich in einer liebevollen Familie dadurch nicht untergraben oder unterdrückt. Er ist beschützt, gut aufgehoben und kennt seinen Platz im Rudel. Dadurch kann er sich entspannen und die Verantwortung für das Überleben seiner Familie abgeben. 
Hat der Hund jedoch das Gefühl, dass der Rudelführer unsicher, sprunghaft und unzuverlässig ist, dann möchte er instinktiv die Führung übernehmen. Nicht aus Machtgier, sondern aus purer Verzweiflung. Jemand muss schließlich das Rudel führen und er spürt, dass sein Halter dies gerade nicht tut. Er setzt Regeln nicht durch, achtet nicht auf seinen Hund, ist nervös oder aggressiv. Für den Hund ist dieser Rollentausch nicht angenehm, denn er ist überfordert und unvorbereitet. 
Da der Halter den Fehler nicht bei sich sucht (die zeitweilige Unfähigkeit, verlässlich anzuführen) denkt er, der Hund wolle gerade die Oberhand gewinnen und sich gegen ihn auflehnen. Dass dies aus Verzweiflung und Überlebensinstinkt geschieht, weiß er nicht. Wer dem Hund ein zuverlässiger Halter ist und einen sicheren Rahmen im Alltag bieten kann, wird mit dem Hund gut arbeiten können. 

2. Der Hund spürt alles!

Hunde spüren jede Gefühlslage des Menschen und richten ihr eigenes Verhalten danach ein. 
Dadurch entsteht ein sehr häufiges Problem beim Spaziergang: Das Ziehen an der Leine. 
Wie ein Spaziergang ablaufen wird, entscheidet sich schon, bevor Hund und Halter einen Schritt vor die Türe machen. Die Stimmungslage des Halters ist die entscheidende Zutat. Ist der Halter sich seiner Gefühle bewusst und schafft es, sie in den Griff zu bekommen, dann kann er dies auch seinem Hund vermitteln. Es entsteht quasi ein wortloser Dialog, der so etwas sagt wie "Ich bin zwar grade aufgewühlt, aber ich reiße mich jetzt zusammen, atme tief durch und konzentriere mich in der kommenden Stunde nur auf dich und den Spaziergang. Keine Sorge, ich habe alles im Griff." Mit einer entsprechend gelösten und fokussierten Einstellung geht es dann los. Der Hund spürt, dass der Mensch in der Lage ist, den Überblick zu haben und anzuführen. Und er kann entspannt nebenher gehen. 
Ist der Halter aber aufgebracht, nervös oder gedanklich mit anderen Dingen beschäftigt, spürt der Hund auch das. Er will dann instinktiv vor der schlechten Stimmung flüchten, weil sie ihm Unwohlsein bereitet, und zieht konstant an der Leine. 

3. Hunde und 2-jährige Kinder

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Hunde tatsächlich so intelligent und verständig sind wie 2-jährige Kinder. Sie verstehen einfache Sätze und viele einzelne Worte. Sie verstehen, wenn man ihnen etwas verbietet, können betteln, Entscheidungen treffen und andere bewusst zum Lachen bringen. 
Anders herum gilt aber auch zu bedenken: Er ist auch nicht wesentlich intelligenter als ein 2-jähriges Kind. Er versteht keine langen Sätze oder ausschweifenden Erklärungen. Er versteht nicht, warum er etwas darf oder nicht darf. Er ist auf Spaß und Wohlbefinden ausgerichtet und wird sich niemals aus Vernunft für das Gegenteil entscheiden.
Wir dürfen also nicht zu wenig von unserem Hund erwarten, aber auch nicht zu viel. Bei jeder Erwartung sollte man sich fragen "Könnte ich das Gleiche von einem 2-Jährigen erwarten bzw. verlangen?". Ist die Antwort Nein, dann wird auch der Hund gerade überfordert sein.

4. Körperhaltung und Gestik

Hunde drücken beinahe alles durch ihren Körper aus. Durch kleinste Veränderungen können sie einander sagen, was sie gerade fühlen. Auch uns Menschen lesen sie so aufmerksam wie ihre Artgenossen. Dadurch passiert es oft, dass wir uns missverstehen, denn wir Menschen sind oft sehr zerrissen. Wir sagen eine Sache, aber unser Körper zeigt, was wir wirklich wollen oder fühlen. Nur die wenigsten Menschen können diese unbewusste Täuschung aufdecken, aber jeder Hund kann es. Im Zweifelsfalle richtet er sich immer nach dem, was unser Körper ihm sagt. Ist und nicht bewusst, was wir in dem Moment tatsächlich denken oder fühlen, werden wir wütend, denn wir haben doch klar ausgesprochen, was Sache ist. Klare Gesten in Richtung dessen, was verlangt wird, sind deshalb große Hilfen für Hunde. 

5. Still und bestimmt

Hunde hören viel besser als Menschen und sie anzuschreien kommt einem Schlag ins Gesicht gleich. In einer Notsituation kann ein Schrei wichtig sein, ansonsten sollte die Stimme immer leise, aber bestimmt sein. Der Rudelführer hat es nicht nötig, zu schreien, denn seine Autorität reicht aus. Wer sich seiner Regeln und Kommandos sicher ist und weiß, dass er darauf bestehen wird, dann kann er sie auch mit leiser Stimme festlegen. Ein Kommando wird daher immer erst gegeben, wenn man beschlossen hat, dass es nötig ist und umgesetzt werden muss. Ein "vielleicht" oder "wenn es dir gerade passt" hört der Hund in der Stimme. 

6. Grundkommandos

So lustig auch Kunststücke sind, wirklich wichtig sind immer nur die Grundkommandos. Der Hund muss sich setzen oder legen wenn gefordert und in dieser Position auch bleiben, bis er entlassen wird. Das ist wichtig im gefährlichen Alltag. Außerdem muss er auf ein "Stop" sofort erstarren und abwarten wie es weiter geht. Auch "Komm" muss umgehend ausgeführt werden, egal auf welche Entfernung und in welcher Umgebung. Ein "Aus" muss sofort alles gestoppt werden, was gerade getan und alles fallen gelassen werden, was geschnappt wurde. Alle diese Kommandos können im Notfall Leben retten. Sie sollten daher am besten täglich wiederholt und trainiert werden, spielerisch und mit Belohnungen!

7. Schutz bieten

Die meisten Aggressionen bei Hunden entstehen aus Angst. Ängstliche Hunde wählen zum Selbstschutz oft Kampf statt Flucht und erhoffen sich einen Vorteil, wenn sie als Erster angreifen. Diese Hunde brauchen das Gefühl, dass sie bei ihrem Menschen sicher sind und dieser die Situation überschaut und im Griff hat. Wenn also ein anderer Hund oder Mensch kommt, auf den der Hund negativ reagiert, am besten einige Schritte zur Seite gehen, den Hund sitzen lassen und sich abschirmend vor ihn setzen. Dem Hund sagen, dass man versteht und alles im Griff hat, hilft ebenso. Er versteht zwar die Worte nicht, kann aber die Stimmlage deuten. 

8. Desensibilisierung

Vor allem junge Hunde oder Hunde aus anderen Ländern sind von vielen Alltagssituationen überfordert. Darum müssen sie langsam und gelassen desensibilisiert werden. Das heißt nicht, sie in die angstmachende Situation zu zwingen, sondern Schritt für Schritt mit ihnen zusammen zu erforschen, ob die Angst vielleicht unberechtigt ist. Er hat blindes Vertrauen, dass seine Menschen es gut mit ihm meinen und ihn umsorgen. Hunde haben blindes Vertrauen, dass ihre Menschen es gut mit ihnen meinen. Daher wird ein vertrauensvoller Hund mit seinem Menschen auch beängstigende Dinge erforschen, wenn man ihm genügend Zeit lässt. Das bewahrt langfristig vor einschränkenden Phobien. 

9. Klare Regeln für alles

Der Hund muss wissen, was er darf und nicht darf. Er muss sich beim Spaziergang nach seinem Menschen richten. Er muss wissen, wer die Verfügungsgewalt über das Futter hat. All das führt dazu, dass er immer weiß was von ihm erwartet wird und er fühlt sich sicher. Er weiß, wann er es gut und richtig macht. Regeln müssen konsequent sein, denn Ausnahmen verwirren den Hund unnötig. Was uns Menschen vielleicht hart vorkommt, erlaubt dem Hund Entspannung. 

10. Spiel und Spaß

Das Hundeleben sollte Spaß machen und aufregend sein. Die Freude am Leben muss immer überwiegen! Training und Regeln sind wichtig, aber ohne einen Ausgleich wird jeder Hund dadurch schnell überlastet. Genauso wie Menschen können auch Hunde ausbrennen und depressiv werden. Daher niemals vergessen: Das gemeinsame Leben muss schön sein. Spiel und Spaß schweißen zusammen.